Fabien Jobard und Océane Perona bei der DAAD-Zentrenkonferenz 2018 (Dezember)

am 24. September 2018

2 min read duration


back to list

Vom 6.-8.12.2018 findet in Berlin die Interdisziplinäre Konferenz der DAAD-geförderten Zentren für Deutschland- und Europastudien, Envisioning the Future: Zukunftsvisionen für Deutschland und Europa. Fabien Jobard und Océane Perona hält dort am 8.12.2018 (Foren "Transnationale Visionen für Bürger- und Menschenrechte – Werte und Normen im Wandel") einen Vortrag über "Punitivitätseinstellungen der Deutschen und Franzosen. Die Rolle des Genders im Strafempfinden"

Abstract : 

"Die Frage der gemeinsamen Werte steht im Mittelpunkt der europäischen Konstruktion. Unter ihnen werden die kriminalpolitischen Bedürfnisse der öffentlichen Meinungen und darüber hinaus deren Strafeinstellungen wenig untersucht, während Sicherheitspolitik, Kriminalität und Strafjustiz in unseren Gesellschaften einen immer wichtigeren Platz einnehmen – und dies zwar im Namen eines angeblichen Bedürfnisses der Allgemeinheit (Lappi-Seppälä 2014, Sack & Schlepper 2014). Um diesen Mangel zu beheben, haben wir in Frankreich und Deutschland eine Befragung unter zwei repräsentativen Stichproben von mehreren tausend Befragten durchgeführt. Diese Umfrage besteht darin, kleine fiktive Fälle vorzustellen, wie jene, die von Studierenden in den Juralehrgängen ausgelegt werden, und die Befragten aufzufordern, Strafen zu verteilen, die ihnen gerecht erschienen, von der bloßen Einstellung bis hin zu Freiheitsstrafen. Sie gibt uns die Gelegenheit, die Punitivitätseinstellungen der Deutsche und Franzosen zu untersuchen, die Strafauswahl dieser beiden Bevölkerungen mit den soziodemographischen Merkmalen einerseits und mit deren allgemeineren Werten und Einstellungen (zur Todesstrafe, zur Migration, zum Sicherheitsgefühl, zur Einstellung über das Zweck der Strafe, usw.) in Zusammenhang zu stellen (Müller 2004, Jobard & Groenemeyer 2005).

Angesichts der zentralen Bedeutung der Genderfrage in der Gestaltung der Strafpolitik in Europa (Stichwörter: Kölner Silversternacht, Istambuler Konvention, Nein heißt Nein und dessen Umsetzung ins deutsche StGB, Bestrafung sexistischer Sprüche in öffentlichen Ortschaften in Frankreich, etc.) werden wir uns in unserer Präsentation auf die geschlechtsspezifischen Unterschiede zwischen den beiden öffentlichen Meinungen konzentrieren: Wie beurteilen Männer und Frauen die ihnen vorgelegten Fälle und vor allem den Fall der ehelichen Gewalt? Werden in den anderen Fällen die verdächtigten Frauen und die verdächtigten Männer, die den Befragten randomisiert vorgestellt wurden, auf die gleiche Weise bestraft? So können wir dokumentieren, ob in Frankreich und Deutschland die Meinungen zur gerechten Strafe nach dem Geschlecht der Befragten und nach dem Geschlecht der Verdächtigen geordnet sind. Wir werden also sehen, wie die strafbezogenen Präferenzen der öffentlichen Meinung vom Gender bestimmt sind und ob das Gender in Frankreich und Deutschland auf die Vorstellungen von Gut und Böse mitwirkt. Zusammenfassend kann einen Matrix über Strafeinstellungen und Strafauswahl durch Bürgerinnen und Bürger vorgestellt werden, der uns Einblicke in die Wertebestimmung in Europa zu gewinnen erlaubt: Sind Werteunterschiede zwischen Deutschen und Franzosen größer bzw. bedeutender als zwischen Männer und Frauen der jeweiligen Länder? "


back to list